Einzelnen Beitrag anzeigen
  #15  
Alt 04.12.2019, 07:26
Benutzerbild von Mime
Mime Mime ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.08.2002
Ort: Warstein
Beiträge: 2.093
Standard

Ich kopiere den Brief einmal hier hinein - der Sportfreund hat sowas von recht....


Zitat:
Joachim Bühner • RegV 750 • RV Burkardroth • Verein Rhönvogel
eMail: joachim.buehner@gmail.com • Handy: 01578-5058023


• Vergangenheit kennen
• Gegenwart verstehen
• Zukunft gestalten


– Gedanken über den Brieftaubensport der Zukunft –
Seit Jahren diskutiert man über das Image des Brieftaubensports, den Mitgliederschwund, die Nachwuchsprobleme, die Neuorganisation des Verbandes, die Reiserichtungen, die Flugentfernungen und, last but not least, über die Meisterschaftssysteme und die Bewertungskriterien unserer As-Tauben. Aber woran hapert es denn wirklich in unserem geliebten Hobby?

Mitgliederschwund und Nachwuchsprobleme

Natürlich werden viele sagen, ich kann das nicht mehr hören, die Situation ist ebenso wie sie ist, die Dinosaurier sind auch mal ausgestorben, wer das Hobby nicht als familienfreundlich sieht, soll nach Alternativen suchen, wie z.B. eine Schlaggemeinschaft gründen oder muss eben sein geliebtes Hobby an den Nagel hängen. Die Alterspyramide des Brieftaubensports kennt jeder, aber wenn man weiß, dass sie genauso aufgebaut ist, wie die aktuelle Bevölkerungsstruktur Deutschlands, dann weiß man, dass unser geliebtes Hobby vor einem elementaren Umbruch steht.
Der Brieftaubensport ist aufgrund seiner "Professionalisierung" mittlerweile zu einer Ganzjahresveranstaltung geworden – war er nicht immer-, jeder muss das ganze Jahr Brieftaubenzüchter sein, aber besonders in der Reisesaison von März bis September, wenn er bei den diversen Meisterschaften dabei sein will. Damit einhergehend ist, dass Familien in den Hauptschulferienzeiten darunter leiden, dass der Papa keine Zeit für Urlaub hat, mit der Folge, dass nicht nur der Familienfrieden gestört ist sondern der Papa dann auch wieder das Handtuch wirft. Von einem Neuanfänger ganz zu schweigen, der sofort gegen die ganz große Konkurrenz antreten muss und dem man unser Meisterschaftssystem nicht in drei Worten erklären kann.
Eine Sportart erlebt keinen Aufschwung, indem man Meisterschaften für Minderheiten schafft und dem ist seit geraumer Zeit so, denn jeder soll sich selbst hinterfragen, wieviel % der Züchterschaft kommt denn für diese "elitären" Meisterschaften in Frage? Und will man einem Außenstehenden erklären, wie man denn eigentlich ERSTER in diesem Sport wird, dann weiß man gar nicht, wo man anfangen soll zu erklären – so geht es mir jedenfalls – , nur bestimmte Flüge zählen und die müssen dann mindestens so viele Beteiligte haben und eine Mindestentfernung aufweisen und dann müssen auch noch bestimmte Tauben angekreuzt werden usw. usw. Wer will das noch verstehen?
Die mittlerweile enorm hohen Anfangskosten für jeden Neuanfänger sind ja quasi schon eine Einstiegshürde, die viele scheitern lässt. Das immer modernere Equipment tut seinen Teil dazu, von den Anschaffungskosten für die gute Tauben möchte ich erst gar nicht reden. Hier müssen Möglichkeiten geschaffen werden, Neuanfänger zu unterstützen z.B. Gründungen von Patenschaften oder Einrichtung eines Fonds. Es ist wohl honorig für die Aktion Mensch Geld zu spenden, aber es wird Zeit, dass der Brieftaubensport mal an seine eigenen Probleme denkt. Ein Ausfliegen von Medaillen für diese Zwecke würde schon weiterhelfen.

Reiserichtungen und Flugentfernungen

Die Diskussionen in den Regionalverbänden, wer mit wem und wer mit wem wohin, diese Diskussionen/Streitigkeiten hat es immer gegeben und wird es immer geben und eine 100%ige Wahrheit wird man hier auch nicht finden. Fakt ist aber, dass die sehr guten Tauben aus alle Richtungen gut fliegen. Wir haben doch die Allroundtaube, das behaupten wir Deutsche doch immer.
Die alles entscheidende Frage ist doch, welche Flüge sollten denn für unsere Meisterschaften auf Bundesebene zählen. Man sollte nur Flüge über 400 km in die Wertung nehmen, weil unter 400 km Wind und Lage zu viel beeinflussen und immer Unzufriedenheit hervorrufen. Natürlich kann auch über 400 km bei extremen Windverhältnissen die Nachteile einer schlechten Lage nicht ausgeglichen werden, aber das ist dann halt so, weil Brieftaubensport nicht in der Halle ausgeübt werden kann, das muss man dann einfach mal so akzeptieren.
Aber je weiter die Flüge gehen umso leichter ist es für die wirklich gute Taube, die Durchschnittsgeschwindigkeit bis zum Ende aufrecht zu erhalten und somit die Nachteile der ersten Kilometer auszugleichen. Dass unser System mit der Durchschnittsgeschwindigkeit bei normaler Wetterlage (z.B. kein Wind!) die hinteren Schläge benachteiligt, weil bei den letzten Kilometern die Durchschnittsgeschwindigkeit immer sinkt und somit der hintere Schlag es viel schwerer hat die Spitze zu erreichen, das steht auf einem ganz anderen Blatt.
Hier sind wir dann schon beim nächsten Streitpunkt, wie weit soll es denn bitte gehen. Ich möchte nicht zurück schauen in Zeiten, wo sich jeder Züchter auf die Flüge jenseits der 600 km gefreut hat. Aber man muss die Vergangenheit kennen, um die Gegenwart zu verstehen und um die Zukunft gestalten zu können. Wie gestaltet man ein modernes Meisterschaftssystem für das Normalprogramm? In der heutigen Zeit, wo die Versorgung stattfindet mittels modernsten Futterzusammenstellungen und Ergänzungsmitteln, die gezielt die einzelnen Organe der Taube unterstützen, und wo Vorbereitungs- und Trainingsmethoden so ausgeklügelt sind, dass nichts mehr dem Zufall überlassen wird, Auflassleiter Zertifizierung nachweisen müssen und die medizinische Versorgung Dimensionen annimmt, die jeden Allgemeinmediziner schwindelig werden lassen, da sollte es, nein es muss möglich sein, die Tauben Entfernungen über 600 km, ja auch 700 km, fliegen lassen zu können.
Was sich mir bis heute nicht erschließt ist das ewige Lamentieren über Wind und Lage. Nur bei Flügen ab 400 km, ja besser sogar noch ab 500 km, ist es einigermaßen gewährleistet, dass Ungerechtigkeiten durch schlechte Lage oder schlechten Wind oder beides nivelliert werden. Warum fliegen unsere Nachbarn in Belgien bei ihrer Mittelstreckenmeisterschaft acht bis zehn Wochen nur Flüge von 400 bis 600 km? Darüber sollten bzw. hätten wir schon längst mal nachdenken müssen. Mir ist seit Jahren unverständlich, warum man immer zu kürzeren Distanzen tendiert. Grund könnte das vom Verband initiierte Meisterschaftssystem sein. (...)

Geändert von Mime (04.12.2019 um 07:33 Uhr)
Mit Zitat antworten