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  #1  
Alt 26.08.2000, 08:23
Tiberius Mohr, Tierarzt
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Beiträge: n/a
Standard Antwort an Sebastian

Sehr geehrter Herr Sebastian,

ich habe die Fragen aus Ihren letzten drei Beiträgen in eine Antwort zusammengefaßt. Der Übersicht wegen wiederhole ich vor meiner Antwort Ihre Frage — damit die übrigen Leser nicht ständig kreuz und quer blättern müssen.



Frage Nr. 1:
Ich habe Junge, die erst 1 oder 2 Federn geschmissen haben! Wie kriege ich sie dazu, daß sie voll durchschmeißen?

Antwort:
Grundsätzlich haben Sie zwei Möglichkeiten, die Mauser zu beeinflussen:
1) Der Mauserverlauf kann mit bestimmten Hormonpräparaten (z.B. Tyroxin) forciert werden
2) Die Mauser kann durch unterstützende Maßnahmen beschleunigt werden

ad 1)
Da wir es hier nicht mit einem medizinischen sondern mit einem Management-Problem zu tun haben (Zuchttauben „zu früh“ angepaart bzw. Spätjunge), bleibt die erste Möglichkeit außer Acht. Falls es sich dabei jedoch um „normale“ Jungtauben handelt — also solche, die zwischen März und Mai geschlüpft sind und NICHT abgedunkelt wurden — sollten Sie diese Tauben tierärztlich untersuchen lassen...

ad 2)
Der Mauserverlauf kann durch die Unterstützung des Stoffwechsels auf natürliche Weise beschleunigt werden. In Betracht kommen Stoffe, die für den Federwechsel (Jod) und die Federneubildung (Biotin, Zink, Methionin) benötigt werden.

Jod ist ein Spurenelement und ein wesentlicher Baustein der in der Schilddrüse gebildeten Hormone T3 (Triiodthyronin) und T4 (Tyroxin). Diese Hormone regulieren (beschleunigen) unter anderem auch den Mauserverlauf.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, daß Biotin beim Vogel ein entscheidender Faktor für die Beschaffenheit von Haut und Federn ist. Der Mauserverlauf wird verlangsamt, wenn der Taube nicht genügend Biotin zur Verfügung steht (z.B. aufgrund eines Wurmbefalls). Wird die Mauser nur beschleunigt (z.B. mit Tyroxin oder Jod), ohne daß für genügend Nachschub an Biotin gesorgt wird — oder liegt während der Mauser ein Wurmbefall vor — führt dies zur Bildung von „Streßlinien“ im Gefieder und damit zu einer herabgesetzten Widerstandskraft der Feder (die Feder bricht während des Fluges leichter ab).

Konkret:
Kloakenabstrich auf einen Wurmbefall untersuchen lassen — bei Bedarf Tauben mit Ascarid-EX und/oder mit Ivomec BT behandeln
Für 2 Wochen 2 x pro Woche ein konzentriertes Jod-Präparat verabreichen (z.B. Roborans BT-Jod)
Für 5-6 Wochen 2 x pro Woche ein konzentriertes Biotin-Präparat verabreichen (z.B. Biotin+Zink BT)

Untenstehend die Gebrauchsinformationen für die oben angesprochenen Präparate (Ascarid-EX und Ivomec BT sind verschreibungspflichtig, Roborans BT-Jod, Biotin+Zink BT und Methionin BT sind frei verkäuflich).

Gebrauchsinformation

Ascarid-EX
Sehr gut verträgliches Anthelminthikum (Wurmmittel) zur Anwendung über das Trinkwasser bei Brieftauben (Bestandsbehandlung)

Wirkungsweise:
Der Wirkstoff aus Ascarid-EX (5-H2O-Piperazincitrat) tötet verläßlich den Taubenspulwurm Ascaridia columbae ab.
Die Wirksamkeit wurde in klinischen Studien geprüft, nachgewiesen und behördlich anerkannt. Der Wirkstoff aus Ascarid-EX besitzt in Deutschland die behördliche Zulassung für die Anwendung bei Tauben.

Nebenwirkungen:
· keine (bei richtiger Dosierung)
Erst bei grober Überschreitung der empfohlenen Dosis ist mit Durchfall und Erbrechen zu rechnen.
Ascarid-EX besitzt eine große therapeutische Breite. Unter normalen Bedingungen können sowohl erwachsene Tauben als auch Jungtauben ohne Risiko behandelt werden. Da jedoch die Auswirkungen auf die Reiseleistung der Jungtauben nicht untersucht wurden, sollten die Jungtauben unmittelbar vor Beginn der Wettflugvorbereitungen nicht mehr mit Ascarid-EX behandelt werden. Notwendige Entwurmungen können mit Ivomec BT durchgeführt werden.

Kontraindikationen:
· nicht bekannt

Anwendungsgebiete:
· Befall mit Ascaridia columbae (Taubenspulwurm) bei Brieftauben
· Bestandsbehandlung vor Beginn der Zucht- und Ausstellungssaison
· Bestandsbehandlung vor Beginn der Wettflugsaison (Brieftauben)

Dosierung und Art der Anwendung:
· 2 Meßlöffel Pulver in 1 Liter Trinkwasser auflösen und 1 bis 3 Tage in Folge (je nach Stärke des Befalls) als einzige Trinkwasserquelle verabreichen.

· Wichtig: Die Kur ist nach 18 bis 20 Tagen in gleicher Dosierung zu wiederholen.
Bei einem starken Befall ist die Behandlung 3 bis 4x im Abstand von 18 bis 20 Tagen zu wiederholen und gleichzeitig eine Behandlung mit Ivomec BT durchzuführen.

Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen.



Gebrauchsinformation

Ivomec (verdünnt für Brieftauben)
Arzneimittel (Ivemectin) mit gleichzeitiger Wirkung gegen Darmwürmer, Lungenwürmer und Milben

Inhaltsstoffe
· Ivemectin (80% 22-,23-Dihydro-Avemectin B1a, 20% 22-,23-Dihydro-Avemectin B1b)
· 1,2-Propandiol (C3H8O2)
· Propylalkohol
· Levamisol spot on

Anwendungsgebiete:
· Endoparasiten (Darm- und Lungenwürmer, sehr gute Wirksamkeit)
· Ektoparasitenbefall (gegen Flöhe, Läuse, Zecken und mäßig gegen Milben — eingeschränkte Wirkung)
· Einzeltierbehandlung in der Reisezeit (Langzeitschutz vor Neuansteckung), alle 4 Wochen
· Einzeltierbehandlung neu zugekaufter Tauben, bevor diese in den eigenen Bestand eingegliedert werden
· Einzeltierbehandlung der Nachzügler, bevor diese Gelegenheit haben, den Reiseschlag mit Parasiten zu verseuchen

Vorsicht:
Das unverdünnte Arzneimittel Ivomec ist für Tauben zu stark und giftig. Nicht unverdünnt anwenden!
Das Ivomec aus dieser Packung wurde mit einem speziellen Verdünnungsmittel auf die für Tauben richtige Konzentration eingestellt. Dieses Verdünnungsmittel erleichtert gleichzeitig auch den Wirkstofftransport durch die Haut.
Bei Tauben darf ausschließlich verdünntes Ivomec angewendet werden. Rinder-, Pferde- und Schweine-Ivomec ist höher konzentriert und für Tauben tödlich!

Applikation:
Ivomec wird nach Scheiteln der Federn auf die Nackenhaut getropft, nicht gespritzt (die beiliegenden Kanülen dienen nur der Entnahme aus der Flasche!).
Nach dem Auftragen auf die Haut dringt Ivomec durch die Haut in den Körper und schützt die Taube für einen Zeitraum von mehreren Wochen vor Parasiten — sowohl im Inneren des Körpers (Würmer) als auch außerhalb (Milben).

Dosierung:
· 0,1 ml pro Taube
· Wichtig: Die Kur ist nach 18 bis 20 Tagen zu wiederholen.
Bei einem starken Befall ist die Behandlung 3 bis 4 mal alle 18 bis 20 Tagen zu wiederholen.
Während der Reise kann Ivomec alle 2 bis 4 Wochen „vorbeugend“ angewendet
werden.

Weitere Informationen: siehe „Medizinische Versorgung im Brieftaubensport“, Seite 32 - 34.


Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen.


Gebrauchsinformation

Roborans BT-Jod
Arzneimittel zur Steigerung der Flugleistung bei Brief- und Hochflugtauben und der Wachstumsgeschwindigkeit bei abgesetzten Jungtauben. Konzentrat für die ausschließliche Anwendung über das Trinkwasser (Bestandsbehandlung).

Zusammensetzung:
· Jod
· Kalium
· Phosphorsäure
· Cobalamin (als Cyan-Verbinung)

Wirkung:
· Erhöhung der Sauerstoffaufnahme
· Steigerung des Proteinumsatzes
· Steigerung der Blutzuckerkonzentration und –verfügbarkeit
· Steigerung des Kalzium- und Phosphorstoffwechsels
· Erhöhung der Herzfrequenz und Steigerung der Kontraktionskraft des Herzmuskels
· Verbesserung der Energieumsetzung und -verfügbatkeit
· Blutbildverbesserung
· Bei abgesetzten Jungtauben führt Roborans BT-Jod zu einer Zunahme der Wachstumsgeschwindigkeit

Nebenwirkungen:
· Reizung der Kropfschleimhaut bei Nestlingen und fütternden Zuchttauben

Kontraindikationen:
· Nur verdünnt (über Trinkwasser), nie direkt in den Schnabel verabreichen!
· Bei der Verwendung über das Futter verliert das Präparat einen Großteil seiner Wirksamkeit

Anwendungsgebiete:
· Leistungssteigerung bei Brieftauben und Hochflugtauben
· Erhöhung der Wachstumsgeschwindigkeit bei abgesetzten Jungtauben

Dosierung und Art der Anwendung:
· 5 ml Konzentrat in 1 Liter Trinkwasser mischen
· 1x pro Woche verabreichen
· Das Präparat sollte bereits während der Trainigsflüge (Vorflüge) verabreicht werden
· Jungtauben sollten gleich nach dem Absetzen und bis nach Abschluß der Hauptmauser behandelt werden

Wichtig:
· Roborans BT-Jod darf mit keinem anderen Präparat in der Tränke gemischt werden
· Lichtgeschützt aufbewahren


Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen.



Gebrauchsinformation

Methionin BT Fertigpulver

Wirkungsweise:
Methionin ist eine essentielle Aminosäure. Methionin ist für den Stoffwechsel der Taube unentbehrlich, die Taube kann diesen Stoff im Körper nicht selbst herstellen; Methionin muß mit dem Futter oder Trinkwasser aufgenommen werden. Bei einem Mangel (aber auch bei gravierendem Überschuß) ist der reibungslose Ablauf mehrerer Körperfunktionen — vor allem der Mauser — nicht mehr gewährleistet.
Die Folgen einer Fehlversorgung mit Methionin sind hauptsächlich:
· qualitativ minderwertige Federn
· vermindertes Wachstum bei Jungtauben
· Leberverfettung
· Blutarmut
· Nierenschäden
· Hodenzurückbildung
· Leistungsabfall

Methionin ist im Stoffwechsel der Taube der Hauptlieferant von Schwefel für die Eiweißbildung. Aus Methionin kann der Körper auch weitere (sog. nicht-essentielle) Aminosäuren herstellen.

Anwendungsgebiete:
· Verbesserung von Beschaffenheit und Stabilität der Schwungfedern
· Verbesserung der Struktur des Deckgefieders
· Leberschutz
· Erhaltung der Fruchtbarkeit
· Leistungssteigerung

Dosierung:
· Mauser: 2 Meßlöffel / 1 Liter Trinkwasser
· Winter: 1 Meßlöffel / 1 Liter Trinkwasser
· Jungtauben: 2 Meßlöffel / 1 Liter Trinkwasser


Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen.



Gebrauchsinformation

Biotin + Zink BT


Wirkstoffkombination zur Verbesserung der Flugleistung, der Federstruktur und zum Ausgleich von durch Darmparasiten verursachten Mangelzuständen

Wirkungsweise:
Biotin ist ein wesentlicher Bestandteil der Fettsäurebiosynthese und der Proteinbiosynthese. Biotin wird für die Verstoffwechselung von Fett und Eiweiß benötigt und beeinflußt die Energienutzung während des Wettflugs. Es ist außerdem wissenschaftlich erwiesen, daß Biotin beim Vogel ein entscheidender Faktor für die Beschaffenheit von Haut und Federn ist.
Zink ist ein wesentlicher Bestandteil vieler körpereigener Enzyme. Ohne genügend Zink können Stoffwechselvorgänge nicht mit der für den Wettflug erforderlichen Geschwindigkeit ablaufen.
Die durch Eigenproduktion im Körper der Taube sowie die übliche Fütterung verfügbaren Mengen an Biotin und Zink reichen in der Wettflugzeit und während der Hauptmauser nicht zur Bedarfsdeckung aus. Deshalb sollte während der Hauptmauser und in der Wettflugsaison (Wechsel der Schwungfedern) das Futter regelmäßig (siehe Behandlungsplan) mit einer zusätzlichen Gabe von Biotin und Zink ergänzt werden.
Biotin+Zink BT verbessert Struktur und Konsistenz von Haut und Federkleid der Taube
· fester Sitz der Feder (wichtig bei extremer Beanspruchung während des Wettfluges)
· geschmeidiges, dichtes und wasserabweisendes Federkleid
· glatte und elastische Haut, die nicht schuppt
· widerstandsfähiges, glänzendes Gefieder (wichtig vor der Teilnahme an Ausstellungen)
· verbesserter Wuchs des Deckgefieders und der Schwungfedern
· verbesserte Pigmentierung des Gefieders (=höhere Widerstandsfähigkeit)
Biotin+Zink BT steigert durch die Optimierung des Stoffwechsels die Flugleistung auf natürliche Weise.

Anwendungsgebiete:
· Unterstützung der Mauser
· Verbesserung der Flugleistung durch Steigerung der Aktivität körpereigener Enzyme
· Wirkstoffausgleich nach einem Befall mit Darmwürmern (Ascaridia columbae)

Zusammensetzung:
· Biotin
· Zink

Dosierung / Bedarf:
· 2 Meßlöffel für 10 Tauben

Dosierung und Art der Anwendung:
Die entsprechende Menge Biotin+Zink BT-Pulver mit der Hälfte der Körnerfutterration einer Fütterung vermischen und den Tauben reichen. Anschließend die zweite Hälfte (unbehandeltes) Futter geben.
Körnerfutter zuvor anfeuchten, bis alle Körner damit benetzt sind, und einige Minuten einziehen lassen.

Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen.



Frage Nr. 2:
Kann man Vitamine mit Probiotika (Liwiverm) in einer Tränke mischen?

Antwort:
Das ist möglich, man sollte es jedoch vermeiden, die Tauben daraus trinken zu lassen.

Es ist grundsätzlich nicht empfehlenswert, mehrere Präparate unterschiedlicher Hersteller gemeinsam in einer Tränke zu verabreichen, wenn diese vom Hersteller nicht dafür vorgesehen bzw. freigegeben sind.

Von den Wirkstoffen selbst geht bei Probiotika und Vitaminen mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Gefahr aus, ein Präparat besteht aber (mengenmäßig sogar zum größten Teil) auch aus Hilfsstoffen — und hier kann es in wäßriger Umgebung zu unerwünschten chemischen Reaktionen kommen.

Konkret:
Nehmen Sie mit dem Hersteller eines der beiden Präparate Kontakt auf und teilen Sie ihm die genaue Zusammensetzung des anderen Präparates mit. Wenn der Hersteller sein OK gibt, wird er es sich sicherlich gut überlegt haben, denn dann liegt die Haftung bei ihm. Falls der Ansprechpartner ungenau antwortet oder Sie das Gefühl haben, er will Sie nur schnell aus der Leitung haben, lassen Sie es sein und experimentieren Sie nicht herum.
Sollten Sie Patient unserer Praxis sein (Sie haben vergessen, Ihren Nachnamen anzugeben), können wir für Sie die Angelegenheit übernehmen und anhand der Inhaltsstoffe die möglichen chemischen Reaktionen voraussagen. In diesem Fall schicken Sie uns bitte die genaue Zusammensetzung der beiden Produkte zu (Beipackzettel oder Verpackung). Dieser Service ist für Sie natürlich mit keinerlei Kosten verbunden.



Frage Nr. 3:
Wann kommt Ihr neues Buch auf den Markt?

Antwort:
Die zweite Auflage unseres Buches „Medizinische Versorgung im Brieftaubensport“ wird voraussichtlich doch erst Mitte 2001 erscheinen.
Auf Wunsch vieler Leser haben wir das ganze Buch neu organisiert, vorhandene Themengebiete stark erweitert und viele neue Themengebiete mit aufgenommen. Der Umfang hat sich etwa verdreifacht. Dies war (und ist noch) natürlich mit sehr viel Arbeit verbunden, sowohl was uns betrifft, als auch seitens des Verlags. Erschwerend kam dazu, daß die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) geändert wurde, als das entsprechende Kapitel für das Buch gerade fertig war. Durch Firmenfusionen sind einige Arzneimittel vom Markt genommen worden, andere wichtige kamen hinzu — eine Anpassung der Arzneimittelliste wurde dadurch ebenfalls erforderlich.
Als Endergebnis entstand bzw. entsteht ein völlig neues Buch, auch wenn der Titel „Medizinische Versorgung im Brieftaubensport Teil II“ dies nicht unbedingt vermuten läßt. Zwei wichtige Kapitel („Doping im Brieftaubensport“ und „Medizinische Vorsorge und Begleitung der Wettflüge“) sollten aufgrund des Umfanges ursprünglich als eigenständige Bücher auf den Markt kommen. Wir haben uns jedoch kurz vor der Fertigstellung entschlossen, die zwei Bücher doch in das Buch „Medizinische Versorgung im Brieftaubensport“ zu integrieren — was uns in der Fertigstellung des Manuskriptes wiederum einige Monate zurückgeworfen hat...



Frage Nr. 4:
Soll man jetzt nach der Reise eine kur mit den Tauben machen?

Antwort:
Es ist unwahrscheinlich, daß die Tauben während des Transportes zum Auflaßort oder auf eventuellen Zwischenlandungen (fremde Schläge, Dachrinnen, Ackerrandtümpel, „gekippte“ Seen, Pfützen) nicht irgendwelche Krankheitserreger aufgenommen haben. Obwohl eine Ansteckung nicht zwangsläufig in eine Erkrankung übergehen muß, sollte man trotzdem dafür sorgen, daß die Tauben ohne „Untermieter“ in die Mauser gehen und Bakterien, Pilzen und Parasiten jeglicher Art erst gar nicht die Chance geben, sich bis zum Frühjahr zu vermehren — die Leistungsfähigkeit in der nächsten Saison wäre dann sicherlich beeinträchtigt und kurz vor der Saison hastig durchgeführte Behandlungen sind auch nicht gerade leistungsfördernd.

Von irgendwelchen blinden Kuren wird trotzdem abgeraten. Blind herumzukuren ist sicher zu keiner Jahreszeit der richtige Weg, auch wenn er gelegentlich zum (zeitlich befristeten) Erfolg führt. Man hat heutzutage zum Glück die Möglichkeit, durch gezielte Untersuchungen herauszufinden, was man unternehmen muß, um mit einer gesunden Mannschaft in die Mauser und an den Start zu gehen.

Falls Sie nicht die Möglichkeit haben (oder — warum auch immer — nicht gewillt sind), die Tauben tierärztlich untersuchen zu lassen, sollten Sie wenigstens je eine Kur gegen Trichomonaden, gegen Kokzidien und gegen Würmer durchführen.

Gegen Kokzidien sollte das Arzneimittel Baycox eingesetzt werden, gegen Würmer ausschließlich Ivomec BT. Beide Arzneimittel wirken sich nicht nachteilig auf die Mauser aus, alle anderen Präparate gegen Kokzidien und Würmer hinterlassen in der Mauser im Gefieder ihre „Spuren“. Präparate auf Amproliumbasis können mittlerweile als unwirksam eingestuft werden, außerdem blockiert Amprolium das Vitamin B1 — was in der Mauser auch nicht gerade erwünscht ist (siehe dazu „Medizinische Versorgung im Brieftaubensport“ Seite 26 und 107).
Trichomonaden können Sie in der Mauser der Hauptschwingen (also jetzt) mit TrichoStop Flüssigkonzentrat bekämpfen oder mit Spartrix versuchen, den Befall zumindest zu reduzieren.
Für Behandlungen gegen Trichomonaden über das Trinkwasser (Ronidazol, Dimetridazol etc.) ist die Mauser bereits zu weit fortgeschritten, die Federschäden können erheblich sein.

Unten die Gebrauchsinformationen der angesprochenen Präparate.


Gebrauchsinformation

Baycox BT
Arzneimittel gegen Kokzidien für die Bestandsbehandlung über das Trinkwasser


Wirkstoff:
· Toltrazuril 2,5% (100 ml Lösung enthalten 25 mg Toltrazuril)


Anwendungsgebiete:
· Behandlung der Kokzidiose verursacht durch Infektionen mit verschiedenen Kokzidienarten


Dosierung und Dauer der Anwendung:
· Bestandsbehandlung: 4 ml pro 1 Liter Trinkwasser, 2 Tage in Folge
· Vorsorgebehandlung in der Reise: siehe Versorgungsplan für die Reise
· Jungtauben bis zum Beginn der Flüge: 4 ml pro 1 Liter Trinkwasser, 2 Tage, alle 4 Wochen


Besonderheiten:
· Aufgrund des besonderen Wirkungsmechanismus und der starken abtötenden Wirkung auf die verschiedenen Entwicklungsstadien der Kokzidien ist es nicht erforderlich, die Kokzidienkur mit Baycox zu wiederholen.
Alle sich im Darm (und in der Darmschleimhaut) befindliche Kokzidien werden durch Baycox abgetötet.
· Um eine Wiederansteckung mit Kokzidien aus der Umgebung der Tauben (Schlagboden) zu verhindern ist am 2. Behandlungstag eine Schlagbodendesinfektion durchzuführen. Dazu ist ein Abflammen des zuvor mit Leitungswasser angefeuchtetem Schlagbodens besonders wirksam.


Vorsichtsmaßnahmen:
· Lösung möglichst 2x täglich frisch ansetzen (vor allem an heißen Tagen)
· Die gleichzeitige Verwendung anderer Zusätze zum Trinkwasser ist zu vermeiden
· Arzneimittel dunkel und Kühl aufbewahren
· Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen.


Nebenwirkungen:
· Keine bekannt

Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen.



Gebrauchsinformation

TrichoStop Flüssigkonzentrat (pH 5,5) für Brieftauben

Zusammensetzung:
· Hexapentamethylderivat des Triaminotriphenylmethans
· 5-Nitroimidazole
· Metronidazol
· pH-Stabilisator

Wirkungsweise:
TrichoStop Flüssigkonzentrat ist ein hochwirksames Arzneimittel (Kombinationspräparat) zur Einzeltierbehandlung von Infektionen mit Trichomonaden, Histomonaden und Spironucleus („Hexamiten“) bei Brieftauben.
Klinische Studien haben ergeben, daß durch die Kombination von 5-Nitroimidazole und Metronidazol die abtötende Wirkung aller Komponenten auf Trichomonaden um ein Mehrfaches gesteigert wird, so daß während der Reise eine einmalige Gabe (nach jedem Flug) genügt, um alle Trichomonaden abzutöten, die die Mannschaft aus dem Kabinenexpreß nach Hause geschleppt hat.
— Alle Trichomonaden werden innerhalb von 15 Minuten abgetötet. —
Erregerstämme (Trichomonaden, Hexamiten, Histomonaden), die durch unsachgemäß durchgeführte Kuren gegen eines der darin enthaltenen Arzneimittel unempfindlich geworden sind, werden durch das Kombinationspräparat ebenfalls abgetötet.
Das Hexa- und Pentamethylderivat des Triaminotriphenylmethans hat eine schützende und beruhigende Wirkung auf die Kropfschleimhaut. Außerdem werden Bakterien und Pilze in der Entwicklung gehemmt, was zum Rückgang der Kropfschleimhautentzündung beiträgt.
Der pH-Stabilisator sorgt dafür, daß alle Komponenten in Lösung bleiben, ihre Wirksamkeit entfalten können und sich im Kropf ein Schleimhautfreundlicher pH-Wert einstellt.

Anwendungsgebiete:
· Einzeltierbehandlung von Trichomonaden, Histomonaden und Hexamiten
· Wichtigstes Einsatzgebiet: Einzeltierbehandlung in der Reisesaison (nach der Rückkehr vom Wettflug)
· Zusatzbehandlung bei kaltem Wetter, wenn nicht genügend Trinkwasser aufgenommen wird, um mit einer Trinkwasser-Bestandsbehandlung alle Trichomonaden verläßlich abzutöten
· Einzeltierbehandlung der Nachzügler
· Behandlung der Kropfschleimhautentzündung

Dosierung und Anwendung:
· 5 (bis 10) ml pro Taube (Schlauch zur Verabreichung in den Kropf liegt bei)
· 1 Tag verabreichen
bei starkem Befall und großflächiger Entzündung der Kropfschleimhaut sollte die Behandlungsdauer auf 2 Tage in Folge ausgedehnt werden (1. Tag: 10 ml, 2. Tag: 5 ml)

Vorsichtsmaßnahmen:
· im Kühlschrank lagern / vor der Anwendung Lösung in einem Wasserbad auf Körpertemperatur erwärmen
· entfärbte (verblaßte) Lösung nicht mehr verwenden
· nicht über das Trinkwasser oder Futter verabreichen

Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen.

Tiberius Mohr


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